Ab dem 1. Januar 2027 müssen berufliche Anwender ihre Pflanzenschutz-Aufzeichnungen elektronisch führen. Das Papier-Spritztagebuch läuft aus, und jede Anwendung braucht künftig Angaben wie Zulassungsnummer, EPPO-Code der Kultur und Georeferenz des Schlags. Für die meisten Betriebe ist das ein Software-Thema, und für rund 100.000 davon kommt es zur denkbar ungünstigsten Zeit: Fünf Wochen vor dem Stichtag, am 30. November 2026, wird 365FarmNet abgeschaltet. Wer die Plattform als Schlagkartei oder Spritzdokumentation nutzt, verliert also sein Werkzeug genau dann, wenn die Pflicht beginnt. Dieser Beitrag sortiert, was feststeht, wer betroffen ist und was bis November zu tun ist.

Was genau passiert

CLAAS hat am 30. November 2025 angekündigt, die Berliner Tochter 365FarmNet in die eigene Plattform CLAAS connect zu überführen. Die bestehende Plattform steht laut Pressemitteilung noch ein volles Jahr zur Verfügung und wird ab November 2026 komplett abgelöst. Betroffen sind nach CLAAS-Angaben rund 100.000 Nutzer, vor allem in Deutschland, Frankreich, Polen und der Schweiz.

CLAAS connect bündelt vier Module: Machine connect für Maschinendaten, Farm connect für die Betriebsdokumentation, Fleet connect für die Flotte und Field connect für Schlag- und Geodaten. Bestandskunden werden nach Angaben von CLAAS vom Vertrieb beim Wechsel begleitet. Für Fragen zur Datenübernahme nennt CLAAS die Adresse digital-business@claas.com.

Wer betroffen ist, und wie stark

Die Abschaltung trifft drei Gruppen sehr unterschiedlich.

Betriebe mit CLAAS-Maschinen und Telematik. Für sie ist CLAAS connect der natürliche Weg. Maschinendaten, Flotte und Dokumentation kommen aus einer Hand, der Händler begleitet den Wechsel. Der Aufwand ist ein Migrationstermin.

Betriebe, die 365FarmNet als vollständiges Farm-Management genutzt haben. Düngeplanung, Nährstoffbilanz, Antragsdaten, Schlagkartei. Hier lohnt ein echter Vergleich: CLAAS connect, ein anderes Farm-Management-System oder eine Kombination aus mehreren Werkzeugen. Die Entscheidung hängt davon ab, welche Module wirklich genutzt wurden.

Betriebe, die nur die kostenlose Basisversion genutzt haben. Meist kleinere Betriebe, Nebenerwerb, Sonderkulturen, Lohnunternehmer mit wenigen Kunden. Sie haben 365FarmNet als Schlagkartei und Spritztagebuch benutzt, mehr nicht. Für diese Gruppe fällt das bisherige Werkzeug weg, und genau sie muss am 1. Januar 2027 trotzdem elektronisch dokumentieren.

Warum der Zeitpunkt so ungünstig ist

Nach § 11 Pflanzenschutzgesetz dürfen berufliche Anwender ihre Aufzeichnungen nur noch bis zum 31. Dezember 2026 schriftlich führen. Danach gilt die elektronische Form, wie sie die EU-Durchführungsverordnung 2023/564 vorgibt: pro Anwendung unter anderem Datum, Art der Verwendung, Mittel mit Zulassungsnummer, Datum, Aufwandmenge, Lage der Fläche, behandelte Fläche, Kultur mit EPPO-Code und Anwender. Die Aufzeichnungen müssen mindestens drei Jahre aufbewahrt werden.

Das heißt konkret: Wer bis Ende November noch in 365FarmNet dokumentiert, hat für Dezember eine Lücke, in der noch Papier erlaubt ist, und braucht ab Januar zwingend ein elektronisches System. Der Wechsel muss also nicht nur die neue Software umfassen, sondern auch die Frage, wo die Aufzeichnungen der Jahre 2024 bis 2026 künftig liegen. Die Aufbewahrungspflicht endet nicht mit der Plattform.

Was bis November zu tun ist

  1. Alle Daten exportieren, solange die Plattform läuft. Schlagdaten, Anwendungen, Düngung, Ernte, alles, was 365FarmNet als Export anbietet. Nicht auf den letzten Monat warten, der Export lässt sich jederzeit wiederholen.
  2. Die Aufzeichnungen 2024 bis 2026 getrennt sichern. Als PDF oder Datei auf eigenem Speicher, mit Datum. Das ist die Grundlage für jede Kontrolle in den nächsten drei Jahren, unabhängig davon, welche Software danach kommt.
  3. Ehrlich aufschreiben, welche Funktionen genutzt wurden. Wer nur Schlagkartei und Spritzdokumentation gebraucht hat, braucht kein Farm-Management-System als Ersatz. Wer Düngebilanzen und Anträge darüber gemacht hat, schon.
  4. Beim Händler oder bei CLAAS nach den Konditionen fragen. Vor allem: Gibt es ein kostenloses Modul, was kostet Farm connect, gibt es eine Vertragsbindung. Die Antworten gehören in den Vergleich, nicht die Prospektseite.
  5. Die neue Lösung vor der Saison testen. Ein Dezember mit zwei parallelen Systemen ist unangenehm, ein März mit einem System, das nicht funktioniert, ist teurer.

Kriterien für die neue Lösung

Der Markt für Dokumentations-Software ist unübersichtlich, und die meisten Anbieter erklären das Gleiche. Diese Fragen trennen die Kandidaten:

KriteriumWarum es zählt
Deckt die Lösung die Pflichtangaben ab 2027 ohne Nacharbeit?Sonst bleibt die Dokumentation unvollständig, egal wie schön die Oberfläche ist
Prüft sie Mittel gegen den amtlichen BVL-Katalog?Zulassungsnummer und Auflagen aus dem Kopf einzutippen ist die häufigste Fehlerquelle
Funktioniert sie ohne Netz auf dem Feld?Der Eintrag entsteht am Feldrand, nicht am Schreibtisch. Ohne Empfang darf die Erfassung nicht ausfallen
Wie kommen die Daten wieder heraus?Nach dem Ende von 365FarmNet sollte niemand mehr eine Lösung ohne Ausweg wählen
Ist der Preis öffentlich?Ein Preis, den man ohne Händlertermin kennt, lässt sich vergleichen und budgetieren
Passt der Umfang zum Betrieb?Ein Nebenerwerbsbetrieb braucht keine Flottenverwaltung, ein Lohnunternehmer keine Nährstoffbilanz

Wo Bygmind passt

Bygmind ist kein Farm-Management-System. Es ersetzt weder Düngeplanung noch Antragswesen noch Flottenverwaltung. Wer diese Funktionen braucht, findet sie in CLAAS connect oder einem anderen System.

Was Bygmind kann, ist der Teil, an dem die Dokumentationspflicht am meisten Zeit kostet: die Erfassung auf dem Feld. Ein Satz nach der Anwendung, “Nordfeld gespritzt, Mittel X, 1,2 Liter pro Hektar, BBCH 31”, und die App macht daraus einen strukturierten Eintrag mit den Angaben, die die Dokumentationspflicht verlangt. Die Spracherkennung läuft auf dem Gerät, also auch ohne Empfang auf dem Acker. Das Landwirt-Profil prüft das Mittel gegen den amtlichen Katalog des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, ergänzt Zulassungsnummer und Auflagen und ordnet den Schlag per Standort zu. Jede Anwendung wird als Spritz-Protokoll gespeichert, als PDF geteilt und ist Teil der vollständigen Datensicherung. Einträge exportiert die App im bundesweiten JKI-Datenstandard (JSON und CSV), das PDF bleibt eine Lesefassung zum Weitergeben.

Die Kostenstruktur ist einfach: Die App zum Aufnehmen und Transkribieren ist kostenlos. Das Landwirt-Profil mit Mittelkatalog, Prüfung, Schlag-Zuordnung und Export gibt es im Abo. Details stehen auf der Seite für Landwirtschaft.

Und die Daten bleiben beweglich: Jede Anwendung liegt als strukturierter Eintrag vor und lässt sich als Datei in eine Schlagkartei oder Betriebssoftware übernehmen. Nach dem Ende von 365FarmNet ist das kein Nebenpunkt, sondern das Kriterium, an dem sich die nächste Entscheidung nicht wiederholen soll.

Für Betriebe, die ein Werkzeug für die Pflichtdokumentation suchen, ist Bygmind damit der direkte Weg: Erfassung in Sekunden, Prüfung gegen den amtlichen Katalog, strukturierte Einträge mit den geforderten Angaben, Daten in eigener Hand. Wer zusätzlich eine Maschinenflotte steuert, nutzt Bygmind am Feldrand und das Flottensystem im Büro.

Zeitplan bis Januar

  • September und Oktober: Daten aus 365FarmNet exportieren und sichern. Funktionsbedarf klären. Kandidaten testen, am besten bei den letzten Anwendungen der Saison.
  • November: Entscheidung treffen. Letzten Export ziehen. Aufzeichnungen 2024 bis 2026 an einem Ort ablegen, der die nächsten drei Jahre besteht.
  • Dezember: Neue Lösung einrichten, Schläge anlegen, einen Probeeintrag machen. Papier ist in diesem Monat noch erlaubt, aber es ist der letzte.
  • Ab Januar 2027: Jede Anwendung elektronisch, mit den Angaben, die die Dokumentationspflicht verlangt, vom ersten Tag an.

Die Abschaltung von 365FarmNet ist ärgerlich, aber sie zwingt zu einer Entscheidung, die die Dokumentationspflicht ohnehin verlangt hätte. Wer sie jetzt trifft, hat im Frühjahr den Kopf frei für die Arbeit, die wirklich zählt.